Henry Moore: The Heavyweight Champion – Teil Zwei

Henry Moore: The Heavyweight Champion – Teil Zwei

Kunstbetrachtung im Dialog, November 2017

 

In der Ausstellung „Henry Moore – Vision, Creation, Obsession“ im Arp Museum Bahnhof Rolandseck.*

 

Henry Moore zählt zweifellos zu den bedeutendsten Bildhauern des 20. Jahrhunderts und entwickelte ein Werk im Grenzbereich zwischen Abstraktion und Gegenständlichkeit. Ganz moderner Künstler bindet er gleichzeitig ein Kondensat vieler Epochen mit in seine Arbeiten ein. Das Arp Museum widmet diesem reichhaltigen Œuvre nun eine spannungsvolle Präsentation, die derart vielschichtig ist, dass wir den Besuchern mit einer zweiteiligen Veranstaltung die Gelegenheit einer tiefgreifenden Auseinandersetzung mit dem epochalen Werk Henry Moores geben wollen – mit gewohnt „entschleunigtem Blick“, versteht sich.

Im zweiten Teil unserer Veranstaltung begeben wir unsgewissermaßen in Moores Atelier und schauen ihm bei der Formfindung seiner Arbeiten über die Schulter. Auch die Genese seiner Bronzeplastik „Large Two Forms“ vor dem ehemaligen Bundeskanzleramt, die nicht nur in der Region Bonn bekannt ist, gerät dabei in unser Blickfeld.

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Henry Moore: The Heavyweight Champion – Teil Zwei

Henry Moore: The Heavyweight Champion – Teil Eins

Kunstbetrachtung  im Dialog, Oktober 2017

 

In der Ausstellung „Henry Moore – Vision, Creation, Obsession“ im Arp Museum Bahnhof Rolandseck.*

 

In der Region Bonn ist das Werk von Henry Moore (1898 – 1986) spätestens seit 1979 ein Begriff, als seine Bronzeplastik „Large Two Forms“ vor dem damaligen Bundeskanzleramt aufgestellt wurde.

Moore zählt zweifellos zu den bedeutendsten Bildhauern des 20. Jahrhunderts und entwickelte ein Werk im Grenzbereich zwischen Abstraktion und Gegenständlichkeit. Ganz moderner Künstler bindet er gleichzeitig ein Kondensat vieler Epochen mit in seine Arbeiten ein. Das Arp Museum widmet diesem reichhaltigen Œuvre nun eine spannungsvolle Präsentation, die derart vielschichtig ist, dass wir den Besuchern mit einer zweiteiligen Veranstaltung die Gelegenheit einer tiefgreifenden Auseinandersetzung mit dem epochalen Werk Henry Moores geben wollen – mit gewohnt „entschleunigtem Blick“, versteht sich.

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Henry Moore: The Heavyweight Champion – Teil Zwei

Friedhelm Falke – Echoes

Künstlergespräch mit Friedhelm Falke, Oktober 2017

 

In der Ausstellung „Friedhelm Falke – Echoes“ der Galerie Carla Reul in Bad Godesberg.

 

Wir kehren mit diesem Angebot quasi an die Anfänge des „entschleunigten Blicks“ zurück, als wir mit einer Reihe von Atelierbesuchen an die Quelle der Kunst gingen. Einer der damaligen Besuche galt Friedhelm Falke. Nun stellt die Galerie Reul in Bad Godesberg eine Auswahl neuester Werke des Künstlers vor. Gerne folgte Friedhelm Falke meiner Anregung zu einem Gespräch in der Galerie, ermöglicht durch die Galeristin Carla Reul, das dem Prinzip des „entschleunigten Blicks“ folgend ein Dialog zwischen allen Interessierten werden wird.

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Henry Moore: The Heavyweight Champion – Teil Zwei

Ferdinand Hodler – Die Magie der Farbe

Kunstbetrachtung im Dialog, September 2017

 

In der Ausstellung „Ferdinand Hodler – Maler der frühen Moderne“ in der Bundeskunsthalle Bonn.

 

Ferdinand Hodler (1853–1918) zählt zu den wichtigsten Schweizer Künstlern des frühen 20. Jahrhunderts und neben Edvard Munch und Gustav Klimt zu den bedeutendsten Künstlern des Symbolismus und des Jugendstils. Er entwickelte einen von ungewöhnlicher Farbigkeit geprägten Malstil mit Tendenz zum Ornament. Für die zeitgenössischen Kritiker eine gänzlich neuartig-eigenwillige Kunst.

Die Ausstellung Ferdinand Hodler und die frühe Moderne gibt uns die seltene Möglichkeit, das Gesamtwerk Hodlers in allen Aspekten konzentriert zu betrachen und zu diskutieren.

Auf eine erkenntnisreiche Kunstbetrachtung freuen sich

Olaf Mextorf + Nicole Birnfeld

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Henry Moore: The Heavyweight Champion – Teil Zwei

ZEITPUNKT. (3) – Herta Müller: Ein Ausweg nach Innen

August 2017

 

„Wahrnehmung hört nicht beim Sehen mit den Augen auf. In jeder Wahrnehmung entsteht ein Wissen über Zusammenhänge, das von sich selbst überrascht wird. Daher erzeugt Wahrnehmung mehr als ein Spiegelbild der Wirklichkeit. Ich glaube, das Schwerste an der Kunst ist es, für dieses Mehrsehen oder Mehrwissen einen Platz innerhalb der Sätze selbst zu finden, so dass etwas Unausgesprochenes entsteht. Ich nenne es ein Irrlauf im Kopf, in dem die Sätze anders mit mir sprechen als nur mit ihren Wörtern.

Für die Besitzer der Wirklichkeit ist Wahrnehmung immer schon suspekt gewesen. In allen gewesenen und heutigen Diktaturen beanspruchen die Besitzer der Wirklichkeit die Deutungshoheit über die Wahrnehmung.

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Henry Moore: The Heavyweight Champion – Teil Zwei

Henry Moore: The Heavyweight Champion – Teil Zwei

Kunstbetrachtung  im Dialog, Juli 2017

 

In der Ausstellung „Henry Moore – Vision, Creation, Obsession“ im Arp Museum Bahnhof Rolandseck.*

 

Henry Moore (1898 – 1986) zählt zweifellos zu den bedeutendsten Bildhauern des 20. Jahrhunderts und entwickelte ein Werk im Grenzbereich zwischen Abstraktion und Gegenständlichkeit. Ganz moderner Künstler bindet er gleichzeitig ein Kondensat vieler Epochen mit in seine Arbeiten ein. Das Arp Museum widmet diesem reichhaltigen Œuvre nun eine spannungsvolle Präsentation, die derart vielschichtig ist, dass wir den Besuchern mit einer zweiteiligen Veranstaltung die Gelegenheit einer tiefgreifenden Auseinandersetzung mit dem epochalen Werk Henry Moores geben wollen – mit gewohnt „entschleunigtem Blick“, versteht sich.

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Henry Moore: The Heavyweight Champion – Teil Zwei

Henry Moore: The Heavyweight Champion – Teil Eins

Kunstbetrachtung im Dialog, Juni 2017

 

In der Ausstellung „Henry Moore – Vision, Creation, Obsession“ im Arp Museum Bahnhof Rolandseck.*

 

In der Region Bonn ist das Werk von Henry Moore (1898 – 1986) spätestens seit 1979 ein Begriff, als seine Bronzeplastik „Large Two Forms“ vor dem damaligen Bundeskanzleramt aufgestellt wurde.

Moore zählt zweifellos zu den bedeutendsten Bildhauern des 20. Jahrhunderts und entwickelte ein Werk im Grenzbereich zwischen Abstraktion und Gegenständlichkeit. Ganz moderner Künstler bindet er gleichzeitig ein Kondensat vieler Epochen mit in seine Arbeiten ein.

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Henry Moore: The Heavyweight Champion – Teil Zwei

Lehrerfortbildung: Aleksandra Domanović

Lehrerfortbildung, Juni 2017

 

Bundeskunsthalle Bonn in der Ausstellung „Aleksandra Domanović – Kalbträgerin“

 

 

Aleksandra Domanović (*1981 in Novi Sad, Jugoslawien) schrieb gemeinsam mit Freunden den Blog VVORK, über den sie dann zu ihrer eigenen, stark auf das Internet und dessen Bedingungen und Möglichkeiten bezogenen künstlerischen Arbeit fand.

Ihre jetzt in der Bundeskunsthalle präsentierte Ausstellung bietet ein vielschichtiges Geflecht von Bezugnahmen – von Opferhandlungen des antiken Griechenland über die Genderdiskussion (Schwerpunkt Wissenschaft und Kunst) bis zum Einsatz von Gentechnik und deren neuesten Errungenschaften.

Sensibilisiert durch die eigene Herkunft aus einem nicht mehr existierenden Staat, setzt sich Aleksandra Domanović unter anderem intensiv mit historischen Gegebenheiten auseinander, um dann – ganz gegenwärtig – einen Bogen zu gesellschaftlich-kulturellen oder wissenschaftlich-technischen Entwicklungen unserer Zeit zu schlagen.

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Henry Moore: The Heavyweight Champion – Teil Zwei

10 Jahre Arp Museum – ein architektonischer Spaziergang auf den Spuren von Richard Meier

Architekturbetrachtung im Dialog, April 2017

 

Arp Museum Bahnhof Rolandseck – Richard Meier-Neubau*

 

 

Ein 10jähriges Jubiläum ist zu feiern: 2007 eröffnete der Neubau des Arp Museums, entworfen vom amerikanischen Stararchitekten Richard Meier. Grund genug also, das Jahr auch der Architekturbetrachtung zu widmen. Dieses Mal wollen wir versuchen herauszufinden, welche Rolle die Architektur eines Museums bei einer gelingenden Kunstbetrachtung spielt. Raumerleben, Lichtwirkung, Rhythmus und Transparenz werden hierbei einige leitende Sichworte sein.

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Henry Moore: The Heavyweight Champion – Teil Zwei

Katharina Sieverding – Look at me!

Themenführung, April bis Juli 2017

 

In der Ausstellung „Katharina Sieverding. Kunst und Kapital. Werke von 1967 bis 2017“, beauftragt von der Bundeskunsthalle Bonn.

 

Das Selbstporträt ist innerhalb der Kunstgeschichte eine faszinierende Gattung, die gerade auch in der Fotografie einen wichtigen Stellenwert erlangte. Ausgangspunkt für die Arbeiten von Katharina Sieverding ist häufig ihr eigenes Porträt, das in monumentalen und seriellen Fotografien Verwendung findet.

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Henry Moore: The Heavyweight Champion – Teil Zwei

Außer der Reihe: Katharina Sieverding – Kunst: Freiheit in Verantwortung?

Themenführungen, März bis Juli 2017

 

In der Ausstellung „Katharina Sieverding. Kunst und Kapital. Werke von 1967 bis 2017“, beauftragt von der Bundeskunsthalle Bonn.

 

 

Außer der Reihe dieses Mal ein Hinweis auf meine Themenführungen zur Ausstellung „Katharina Sieverding: Kunst und Kapital – Werke von 1967 bis 2017.“

Eine Konstante im Werk der Fotografin Katharina Sieverding (*1944) ist ihre Auseinandersetzung mit politischen und gesellschaftlichen Fragestellungen. Der erweiterte Kunstbegriff ihres Lehrers Joseph Beuys hat hierbei prägende Wirkung.

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Henry Moore: The Heavyweight Champion – Teil Zwei

Außer der Reihe: Gustav Peichl – Die Architektur der Bundeskunsthalle in Bonn

Architektur-Rundgang Bundeskunsthalle, März 2017

 

Für Studenten der TU Berlin / Fachbereich Architektur (Model & Design), beauftragt von der Bundeskunsthalle Bonn.

 

 

„Ich bin ein progressiver Konservativer – auch in der Architektur.“

Gustav Peichl 1992

Die Bundeskunsthalle kooperiert mit dem Fachbereich Architektur (Modell & Design) der TU Berlin, um ein taktiles Modell der Bundeskunsthalle zu konzipieren, das ALLEN Besuchern der Bundeskunsthalle die architektonisch-räumlichen Besonderheiten des Baus und seiner Funktionen anschaulich machen soll.

Um die Studierenden mit der architektonischen Gestaltung und den unterschiedlichen Funktionsbereichen des Hauses vertraut zu machen, sowie Einblicke in das Konzept und die praktischen Abläufe der Bundeskunsthalle zu vermitteln, wurde ein gut zweistündiger Rundgang angeboten, in dessen Verlauf auch eine Reihe gestalterischer, architekturhistorischer und praxisbezogener Fragen diskutiert wurden.

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Henry Moore: The Heavyweight Champion – Teil Zwei

August Macke und der Rheinische Expressionismus

Kunstbetrachtung im Dialog, März 2017

 

Im Kunstmuseum Bonn vor Werken von August Macke und den Rheinischen Expressionisten.

 

 

August Macke prägte 1913, kurz vor dem Ausbruch des 1. Weltkrieges den Begriff des Rheinischen Expressionismus. Ein Jahr zuvor hatten deren Vertreter ihren grossen Auftritt bei der epochalen Sonderbund-Ausstellung in Köln, Seite an Seite mit den großen Avantgardisten der Zeit, wie Vincent van Gogh, Paul Gauguin oder Edvard Munch.

Das Kunstmuseum Bonn zeigt einen ganz aussergewöhhnlichen Bestand Rheinischer Expressionisten, dem wir uns mit einer gezielten Auswahl nähern wollen. Es soll uns um die Wesensmerkmale dieser Kunstrichtung gehen, um die besonderen Gestaltungskriterien dieser farb- und formdynamischen Malerei, die in Abhängigkeit von den historischen Gegebenheiten zu betrachten sind – bis hin zur Jahrhundertkatastrophe des 1. Weltkriegs.

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Henry Moore: The Heavyweight Champion – Teil Zwei

Außer der Reihe: Katharina Sieverding. Kunst und Kapital. Werke von 1967 bis 2017

Lehrerfortbildung, März 2017

 

In der Ausstellung „Katharina Sieverding: Kunst und Kapital – Werke von 1967 bis 2017.“

 

 

„Die Fotografie ist ihre Ölfarbe.“

Hans Mayer, Galerist in Düsseldorf

 

Außer der Reihe an dieser Stelle ein Hinweis auf die Lehrerfortbildung zur Ausstellung „Katharina Sieverding: Kunst und Kapital – Werke von 1967 bis 2017,“ die ich gemeinsam mit meiner Kollegin Katharina Jahnke (Künstlerin und Kunstvermittlerin) durchführe.

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Henry Moore: The Heavyweight Champion – Teil Zwei

Außer der Reihe: Was sich abzeichnet – zeitgenössische Zeichnung und mehr

Öffentliche Führung, März 2017

 

In der Ausstellung „Was sich abzeichnet – Stipendiat/-innen des Künstlerhauses Schloss Balmoral und des Landes Rheinland-Pfalz 2016/17“ beauftragt vom Arp Museum Bahnhof Rolandseck.

 

Außer der Reihe an dieser Stelle ein Hinweis auf meine öffentliche Führung im Arp Museum Bahnhof Rolandseck, das wir in diesem Jahr auch wiederholt mit „entschleunigtem Blick“ besuchen werden. Vielleicht haben Sie Zeit und Interesse sich zunächst mit zeitgenössischen zeichnerischen, fotografischen und filmischen Positionen auseinander zu setzten.

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Henry Moore: The Heavyweight Champion – Teil Zwei

Außer der Reihe: „Gregor Schneider – Wand vor Wand“

Öffentliche Führung und Kunstvermittlung, Februar 2017

 

In der Ausstellung „Gregor Schneider – Wand vor Wand“ in der Bundeskunsthalle Bonn.

 

Außer der Reihe an dieser Stelle ein Hinweis darauf, dass die hochgelobte und sehr intensive Ausstellung in der Bundeskunsthalle mit Werken von Gregor Schneider am kommenden Sonntag, den 19. Februar zu Ende geht.

Text der Bundeskunsthalle zur Ausstellung:

Gregor Schneider wurde 1969 in Rheydt geboren. Schon mit dreizehn Jahren malte er Bilder, die er heute noch in seine Ausstellungen und Publikationen aufnimmt. 1985 hatte er seine erste Einzelausstellung in der damaligen Galerie Kontrast in Mönchengladbach und begann im selben Jahr mit der Arbeit an seinem Haus an der Unterheydener Straße 12 in Rheydt, dem Haus u r. Im Jahr 2001 erhielt Schneider den Goldenen Löwen für den deutschen Beitrag zur Biennale Venedig. Aus der Logik seines Werkes heraus kam es zu verschiedenen Projekten, die als Provokationen missverstanden, heftig diskutiert und teilweise mit Zensur belegt wurden. Die Verhinderung einer schwarzen kubischen Skulptur mit den Maßen der Kaaba in Mekka, die 2005 für den Markusplatz in Venedig geplant war, brachte ihn dazu, sich verstärkt mit der öffentlichen und politischen Dimension seines Werkes zu befassen.

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Henry Moore: The Heavyweight Champion – Teil Zwei

Malerei des Französischen Impressionismus – eine kritische Betrachtung

Kunstbetrachtung im Dialog, Februar 2017

 

Im Wallraf-Richartz-Museum & Fondation Corboud in der ständigen Sammlung.

 

Warum eine kritische Betrachtung? Unsere Vorstellung ist, das fortschrittliche Element des Impressionismus, seine avantgardistische Wirkmacht in den Fokus zu rücken. Gleichzeitig stellen wir uns die Frage nach der anhaltenden Attraktivität dieser Malerei, nach deren anhaltendem Zauber. Und warum sahen die Zeitgenossen das zum Teil so anders? Warum galt ihnen der Impressionismus oft genug als amateurhafte Schmiererei?

Was  haben Claude Monet, Berthe Morisot, Gustave Caillebotte und die anderen gemacht, um bis in die Gegenwart zeitgemäß und uns so nah zu sein?

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Henry Moore: The Heavyweight Champion – Teil Zwei

Außer der Reihe: Behind The Art – Gregor Schneider 1

Wand vor Wand – Parcours des Schreckens?

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Wand vor Wand ist der Titel einer irritierenden Ausstellung in der Bundeskunsthalle, wobei das Wort Ausstellung wohl besser durch den Begriff Parcours  zu ersetzen wäre, also ein mit Hindernissen unterschiedlichster Art durchsetzter Weg.

Als ich diesen Parcours mit Raumkonstruktionen von Gregor Schneider erstmals absolvierte, hat er bei mir ein Wechselbad der Gefühle ausgelöst, körperlich wie psychisch. Denn als Person begebe ich mich in reale dreidimensionale Räume, die bei aller Künstlichkeit sofort durch ein persönliches Raumerleben besetzt werden. Und schon der erste begehbare Raum hat es in sich: Ein schmaler Gang, steril, neonhell erleuchtet, mit schallgedämmter Decke und beidseitig roten Schiebetüren – allesamt geschlossen. Irgendwie gespenstisch vertraut. Guantánamo? Erster Impuls: Schnell weiter.

Doch es wird nicht besser. Erst durcheile ich einen grell ausgeleuchteten, mit Blech verkleideten Raum, dessen unangenehm feucht-warme Atmospäre mich vertreibt, dann ein zugig-kaltes Minikühlhaus inklusive Plastikstreifenvorhang. Zweiter Impuls: Schnell weiter.

Doch was wäre, wenn ich diesem Impuls widerstünde? Wenn ich mir die nötige Zeit nähme, um dem eigenen Unbehagen auf den Grund zu gehen? Aber schon fällt hinter mir die Tür ins Schloss. Aprupt umfängt mich eine Finsternis, die geradezu zum Innehalten zwingt, will ich nicht irgendwo gegenrennen.

Während sich die Augen noch an die Dunkelheit gewöhnen, wirken die zurückliegenden Raumeindrücke nach. Was macht die durcheilten Räume eigentlich so bedrohlich? Wodurch entstehen die vielfältigen Irritationen? Wie erlebe ich Orientierungsverlust, der ja immer auch ein Kontrollverlust ist?

Und schon taucht die nächste Frage vor mir aus der Dunkelheit auf. Ich blicke in einen spärlich beleuchteten Raum, der mir irgendwie bekannt vorkommt. Dann das Wiedererkennen: Es ist ein von Gregor Schneider nachgebauter Raum aus Mies van der Rohes Villa Haus Lange in Krefeld.

Ich erinnere mich an den Aufruhr, den der Künstler 2008 auslöste, als er in diesem Raum – stimmig in den Proportionen und schön gestaltet – einen Menschen sterben lassen wollte. Seine Frage lautete: „Warum können wir den Tod nicht aus der Tabuzone herausreißen und wie eine Geburt feiern und ein Kunstwerk schaffen, in dem Sterbende bis zum Tod begleitet werden?“

Das war für viele too much. Für seinen Sterberaum bekam Gregor Schneider sogar Todesdrohungen. Apropos Tod: Ich sehe mich hier also einer weiteren  Grenzüberschreitung ausgesetzt. Präzise gesagt: Der letzten, nämlich der zwischen Leben und Tod.

Natürlich kann ich abermals weitereilen. Ich könnte dann vielleicht zwei Räume weiter am Cryo-Tank Phoenix verweilen. Dort wird der Nachbau eines Edelstahltanks aus dem Jahr 2006 gezeigt, in dem ein Mensch sich einfrieren lassen kann, um bei entsprechendem Fortschritt der Wissenschaft wieder zum Leben erweckt zu werden. Grenzüberschreitung oder Hybris?

Ich entscheide mich anders. Ich werde mich den kommenden Raumerlebnissen beobachtend nähern, werde Assoziationen kritisch zulassen, mich vielleicht sogar im vertrauten (Freundes-)Kreis im Verlauf der Ausstellung austauschen. Dazu werde ich natürlich wiederkommen, werde versuchen, den Parcours des Schreckens, wie er im Bonner Generalanzeiger bezeichnet wurde, zum Parcours der (Selbst-)Erkenntnis umzudeuten.

Vielleicht sieht man sich in der Ausstellung und/oder zu einer Führung? Bis später also!

Olaf Mextorf
der-entschleunigte-blick.de

GREGOR SCHNEIDER. WAND VOR WAND
bis 19. Februar 2017

Veröffentlicht in AUSSTELLUNGEN, BLOGGER DER BUNDESKUNSTHALLE, OLAF MEXTORF, WAND VOR WAND, , , am von .

Henry Moore: The Heavyweight Champion – Teil Zwei

Außer der Reihe: Behind The Art – Gregor Schneider 2

Einspruch, Herr Schneider!

 

„Ausstellen ist immer ein Abtöten der Arbeiten“, sagte Gregor Schneider einmal in einem Interview. Eigentlich eine erschütternde Aussage, oder? Doch was sich von Künstlerseite aus wie ein Endpunkt darstellen mag, sieht aus unserer Sicht, die der Ausstellungsbesucher, vielleicht ganz anders aus. Und mich beschleicht der Verdacht, dass Künstler häufig gar nicht mitbekommen, wie unabhängig und expansiv ihr Werk wahrgenommen wird.

Wenn ich die Fachpresse hier absichtsvoll außen vor lasse, dann, weil professionelle Kunstbetrachtung oft eigenen Regeln gehorcht. Wenngleich Seh- und Sichtweisen wie auch Bewertungsmaßstäbe in den Medien durchaus hilfreich vor- und mitgegeben werden, so zeigt sich doch erst in der Ausstellung, gewissermaßen im täglichen Ernstfall, wie Exponate, Konzeption und Ausstellungssituation wirksam werden – da sind Künstler, Journalisten und Kuratoren oft schon wieder ganz woanders.

Als Kunstvermittler vor Ort in der Ausstellung Wand vor Wand habe ich das Privileg eines wiederholten Erlebens der Ausstellungssituation, vor allem aber die Möglichkeit des lebhaften, konzentrierten und oft auch kontroversen Erfahrungsaustauschs mit den Besuchern – oder wäre das Wort „Akteure“ vielleicht passender? Denn die konkrete Raumerfahrung in der Ausstellung ist der Schlüssel zur – oft durch Irritationen ausgelösten –  Auseinandersetzung mit dem eigenen Erleben und dem einsetzenden Nachdenken.

So standen wir kürzlich während eines Rundgangs in der sogenannten „Doppelgarage“, einer Arbeit aus dem Jahr 2002. Fahles Licht brach sich unruhig im feucht schimmernden Zementboden, Zugangstüren wie Garagentor waren verschlossen, muffiger Geruch umfing die kleine Gruppe. Erste Assoziation einer Teilnehmerin: „Selbstmord.“

Und dann hörten wir die Geschichte der Garage, in der Gregor Schneider vom einsamen Trinker in der Nachbarschaft erzählt, der hier einen Teil seines Lebens verbrachte. Und wir kamen zu Themen wie Anteilnahme, Bestürzung und Mitleid, aber auch Be-, Ver- und Vorverurteilung von Lebensmodellen. „Das führt jetzt aber zu weit“, wird manche sagen. Und die Frage steht mal wieder im Raum: „Was hat uns der Künstler eigentlich sagen wollen?

Aber vielleicht weiß das Werk mitunter mehr als der Künstler und wird durch unsere Auseinandersetzung in seiner Grundaussage erweitert, löst sich sogar ein Stück weit von ihm? Und kann Kunst nicht als Austausch begriffen werden, der das Werk als Anker hat, vom Ankerplatz aus aber auch einen Bewegungsradius? Und die Ankerkette verhindert, dass die Aussage beliebig wird.

Wenn ich meine Erfahrungen mit und in der Gregor Schneider-Ausstellung Wand vor Wand vorläufig zusammenfassen sollte, dann würde ich, abweichend von der anfänglich formulierten Sicht des Künstlers, festhalten: „Ausstellen ist immer ein Freilassen der Arbeiten.“

Deshalb: Einspruch, Herr Schneider!

Olaf Mextorf
der-entschleunigte-blick.de

GREGOR SCHNEIDER. WAND VOR WAND
bis 19. Februar 2017

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Henry Moore: The Heavyweight Champion – Teil Zwei

Behind The Art – Gregor Schneider 3

Häuserkampf

 

Was würden Sie machen, wenn Sie in den Besitz des Geburtshauses von Joseph Goebbels kämen? „Verkaufen“, war eine häufige Antwort. „Abreißen“, kam noch häufiger. Einmal auch der Vorschlag, dort einen Kindergarten einzurichten – dem Schrecken der Person Goebbels etwas Positives entgegensetzend. Doch würden Sie Ihr Kind in einen Kindergarten geben, der im Geburtshaus von Joseph Goebbels untergebracht ist – auch wenn es „nur“ das Geburtshaus war?

Dann schon eher einen Ort der Erinnerung an die nationalsozialistische Gewaltherrschaft schaffen, eine Art Museum. Das war auch ein Vorschlag. Doch kommen dann nicht die ewig Verblendeten, um ihren schändlichen Vorbildern zu huldigen?

Das alles könnten auch Fragen gewesen sein, die Gregor Schneider umgetrieben haben, als er in der Küche des Gerburtshauses von Joseph Goebbels die Suppe auslöffelte, die er sich selbst – absichtsvoll – eingebrockt hatte.

Eine der meistdiskutierten Arbeiten in der Ausstellung Wand vor Wand ist die vierteilige Videoinstallation Odenkirchener Straße 202, Rheyt 2014. Dort sehen wir den Künstler u.a. in der goebbelschen Küche oder beim Versuch zu schlafen, sehen das banal-verlebte Innere eines Hauses, das die grausame Gewissheit eines millionenfachen Völkermordes in sich trägt. Und wir sehen, welche Konsequenz der Künstler aus der in Rheydt gern verdrängten Geschichte zieht.

„Ich habe das Haus gekauft, nun komplett entkernt und somit unbewohnbar gemacht. Den alten Geist mit den alten erhaltenen Materialien entfernt, die denkbaren Berührungsreliquien aufgelöst. Geschichte lässt sich nicht rückgängig machen, und eine Leerstelle kann sehr laut sein“, sagte Schneider 2014 in einem Interview. Und weiter: „Täterorte üben eine magische Anziehungskraft aus“, wissend, dass dort in Rheydt, in der Odenkirchener Straße 202, immer wieder Blumen abgelegt worden waren.

Auf einer vierten Leinwand sehen wir dann, wie ein professionelles Abrissunternehmen das Haus Schicht um Schicht entkernt, eine Ruine hinterlassend, inhaltslos und überflüssig. Fehlt nur noch die Abrissbirne. Doch noch widersetzen sich die Außenmauern, denn ein Statiker musste feststellen, dass das Nachbargebäude bei einem kompletten Abbruch beschädigt werden könnte.

Im Gespräch über diese Arbeit und der daraus resultierenden Auseinandersetzung mit den Hintergründen fragten sich nicht wenige Besucher/-innen der Ausstellung, ob diese entkernte Ruine nicht das geeignetste Symbol für den Umgang mit der NS-Vergangenheit wäre. Wertlose, weil inhaltslose Banalität.

Diese Diskussion um die dunkelste Stelle deutscher Geschichte darf niemals enden! Auch dafür steht das Werk von Gregor Schneider.

 

Olaf Mextorf
der-entschleunigte-blick.de

GREGOR SCHNEIDER. WAND VOR WAND
bis 19. Februar 2017

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Links:

https://www.sueddeutsche.de/kultur/die-kunst-der-erinnerung-gregor-schneiders-ausstellung-goebbels-hausmeister-1.2248225

https://www.spiegel.de/spiegel/print/d-20017823.htmlhttps://www.spiegel.de/spiegel/print/d-20017823.html

https://www1.wdr.de/daserste/monitor/interaktiv/tagesthemen-kommentar-holocaust-100.html