Alexander Mosolov –  radikal moderne Musik mit revolutionärem Gestus

Klavierwerke um den Russischen Futurismus Vol. 3

Der dritte Teil der SACD-Reihe „Klavierwerke um den russischen Futurismus“ ist ganz dem Komponisten Alexander Mosolov (1900–1973) gewidmet. Seine Biografie ist auf besonders tragische Weise mit den politischen Entwicklungen in der jungen Sowjetunion verknüpft. In dieser Phase wagte man gesellschaftlich wie künstlerisch die kühnsten Experimente, denn schließlich wollten man sich vom Bild des rückständigen und hinterwäldlerischen Russlands endgültig befreien. Mosolovs Kompositionen aus den 1920er Jahre stehen voll auf der Höhe der internationalen modernen Musik und einige dieser Werke können als konstruktivistische „Vorzeigekompositionen“ gelten.

Aus der futuristischen „Revolution in der Kunst“ entwickelt sich in den 1920er Jahre dann eine „Revolutionskultur“, die den gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Fortschritt vorantreiben sollten. Davon sind nun auch die künstlerischen Konzepte betroffen und der allgemeine Aufbruchsenthusiasmus geht mit einer charakteristischen Umdeutung der futuristischen Ideen der Vorkriegsavantgarde einher. In dieser betriebsamen Atmosphäre tritt mit Alexander Mosolov ein junger Komponist an die Öffentlichkeit, der als Sympathisant und aktiver Teilnehmer der Revolution auch ihren politischen Gedanken mit trägt. Dem betont revolutionären Gestus der Zeit scheint auch Mosolovs jugendlich hitziges Temperament ideal zu entsprechen. Innerhalb kurzer Zeit entwickelt er sich zu einem „Enfant terrible“ der Kunstszene das durch seinen zynischen Humor, Impulsivität und Aggressivität den Widerspruch der Öffentlichkeit provoziert. Diese charakterliche Disposition verweist gleichzeitig auf seine Zugehörigkeit und Affinität zur Generation der sowjetischen Jugend deren fundamentale Zweifel, Ängste und Zerrissenheit in seinen frühen Klavierkompositionen ebenfalls fühlbar werden. Im Zuge der gewaltsamen Umgestaltung der sowjetischen Gesellschaft unter Stalin gerät der Komponist wiederholt ins Visier der Staatsgewalt und wird dann zum Opfer eines stark angestiegenen Disziplinierungsdrucks.

 

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http://www.deutschlandfunk.de/echo-klassik-2017-preistraeger-stehen-fest.2849.de.html?drn:news_id=773934