Kunstbetrachtung im Dialog

 

Mittwoch, 12. Dezember 2018 – Kunstmuseum Bonn

in der Ausstellung „Der Flaneur – Vom Impressionismus bis zur Gegenwart“

 

18:00 bis 19:30 Uhr

Bitte beachten Sie: Die Veranstaltung ist ausgebucht!

 

Kosten: € 15,- / zzgl. Museumseintritt
Anmeldungen bitte bis Mittwoch, den 05. Dezember 2018
Stichwort „Flaneur 2“ bitte auf dem Anmeldeformular angeben
Anmeldeformular
Treffpunkt: ca. 17:50 Uhr im Kassenbereich des Kunstmuseums

Wann waren Sie das letzte Mal flanieren? Und welches Bild haben Sie vor Augen, wenn Sie den Begriff Flaneur hören? Das des elegant gekleideten Bohémien der Belle Époche, der fast absichtslos Avenuen, Boulevards und Prachtstraßen hinab schlendert, dann ein Café aufsucht und – scheinbar in seine Zeitung versunken – die ihn umgebende Szenerie beobachtend in sich aufnimmt? Oder ist es vielleicht doch eher die aufmerksame Spaziergängerin der Gegenwart, deren wacher Blick die kleinen Dramen am Rande des Alltags beobachtet und die gleichzeitig wie ein Seismograph die wechselnden Stimmungslagen des städtischen Lebens registriert?

Das Kunstmuseum Bonn widmet dem Flaneur jetzt eine umfängliche und vielschichtige Ausstellung, die sich dem Phänomen der Großstadt von einer fast vergessenen Seite her nähert, denn der Flaneur:

  • – ist der beteiligt unbeteiligte Beobachter
  • – nimmt sich die Zeit, zu schauen
  • – ist noch in der Lage, sich absichtslos treiben zu lassen
  • – streift offen und neugierig durch die Stadt
  • – ist entspannt und gleichzeitig aufmerksam für alles
  • – ist das Auge der Stadt
  • – ist, was wir sind, wenn wir Stadt aufmerksam betrachten, einfühlsam erleben.

Und so beschreibt das Flanieren mehr eine Haltung, denn die Tätigkeit an sich. Und so denken wir den Flaneur natürlich auch weiblich (= Flaneurin), zumal Frauen – ist das mehr als eine These? – für viele Dinge einen anderen Blick haben als Männer. Und dieser Blick auf die Stadt ist auch längst nicht mehr nur den Literaten wie Baudelaire, Hessel, Benjamin oder Nooteboom vorbehalten, sondern wird längst schon malerisch, fotografisch und filmisch formuliert.

Aufgrund der Vielzahl an Perspektiven und der Fülle von Werken zwischen Impressionismus und Gegenwart möchten wir Ihnen eine zweiteilige Veranstaltung anbieten, um der vielschichtigen Thematik ebenso gerecht zu werden, wie auch uns selbst in unserer Rolle als entschleunigt-flanierende(r) (Kunst)Betrachter*in.

Unsere zweite Erkundung führt uns nun ins Zentrum der Stadt. Dorthin, wo Adolph Menzel die Metropole Paris im Umbruch erlebt hat, wo Jean Béraud seine minutiösen Beobachtungen in wunderbar-atmospärischen Miniaturen festhält, wo Fotografen wie Brassaï, Umbo, Otto Steinert oder Lee Friedländer unsere Wahrnehmung auf die Probe stellen. Das Motiv des Zentrums changiert zwischen der Düsternis am Bahnhof Zoo der Vorwendezeit und den strahlenden Prachtstraßen und weiten Plätzen des haussmannschen Paris, zwischen eleganter Beschaulichkeit und aufreibender Hektik, zwischen milder Melancholie und agressivem Behauptungswillen.

Bei unserer ersten Erkundung der Ausstellung haben wir uns der Stadt von ihren Rändern her genähert, hatten uns unter anderem gemeinsam mit Vincent van Gogh und Maurice Utrillo auf dem Montmartre – einst Peripherie der Metropole Paris – umgeschaut, die Bonner Nordstadt mit August Mackes Augen gesehen, bevor Steven Shore uns die uncommon places der amerikanische Provinz zumutete. Und Downtown New York war noch etliche U-Bahnstationen entfernt, wo Richard Estes den Blick fokussierte, uns an seinen minutiösen Beobachtungen teilhaben ließ.

Und jetzt geht es ins Zentrum, das vielleicht wahre Biotop des Flaneurs. Und wir mittendrin! Wir freuen uns auf eine ganz besondere Ausstellung und auf den Austausch mit Ihnen.

Herzliche Grüße

Olaf Mextorf + Nicole Birnfeld